Montag, 28. Mai 2012

JV von hinten – Über wie man eine Jahresversammlung organisiert

Mehrere hundert Menschen liegen auf dem Boden und stellen sich tot. Rechts hinten ein gelber Amnesty-Pavillon mit Petitionen und Produkten von Amnesty International.

Amnesty-Flashmob für Waffenkontrolle in Ulm

Am Pfingstwochenende war die Jahresversammlung der deutschen Sektion von Amnesty International. Es war die dritte Amnesty-JV, bei der ich dabei war. Und doch war sie für mich ganz anders als die JVs davor. Denn die Jahresversammlung 2012 war in Ulm und Neu-Ulm und ich durfte sie mit organisieren.

Eines steht fest: Nach dieser Erfahrung sehe ich solche Veranstaltungen mit anderen Augen. Normalerweise fährt man beim Besuch einer Jahresversammlung in irgendeine Stadt, ist da dann und fährt nach ein paar Tagen wieder zurück. Alles, was während des eigenen Aufenthalts geschieht, ist irgendwie selbstverständlich. Aber wenn man eben genau dieses “alles” mit organisiert, dann merkt man erst, wie viel “alles” eigentlich ist.

Tagungsstätte, Anmeldung, Abendprogramm, Beschilderung, Nachtquartiere, Info-Website… die Liste der Dinge, die es zu organisieren gilt, ist endlos. Und bis all das steht, braucht es Zeit. Nicht ein paar Tage, nicht ein paar Wochen, sondern ein paar Monate. Auf sowas hat einen in der Schule keiner vorbereitet und auch mein Studium hält sich bis dato kaum mit derart praktischem Schnickschnack auf.

Die Organisation vor Ort obliegt dem veranstaltenden Amnesty-Bezirk in Zusammenarbeit mit dem Sekretariat der Sektion. Die deutschen Amnesty-Bezirke arbeiten ehrenamtlich. Dementsprechend sind auch die Jahresversammlungen teilweise ehrenamtlich organisiert und strukturiert. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass diese JV-Organisation für mich das erste Mal war, das ich so richtig intensiv und kontinuierlich über einen längeren Zeitraum gearbeitet habe. Das war anstrengend, das war mehrmals auch richtig nervig, aber es hat auch Spaß gemacht. Und es war schön, am Ende zu sehen, was man da Großes auf die Beine gestellt hat: Die Jahresversammlung der deutschen Sektion der größten Menschenrechtsorganisation der Welt – das ist, wie soll ich sagen, ne ziemlich coole Sache.

Natürlich gab es auch wie jedes Jahr Mitglieder, die mit der Organisation der Jahresversammlung nicht zufrieden gewesen sind. Aber die meisten der etwa 500 Angereisten waren glaube ich doch sehr begeistert, konnten spannende Diskussionen und Debatten führen und hatten Spaß. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich vom Plenum, den Workshops, den Kommissionen und den Kneipenabenden kaum etwas mitbekommen habe. Zugegebenermaßen: Das war ganz schön doof und ich freue mich darauf, im nächsten Jahr wieder auf der anderen Seite dabei zu sein, zu diskutieren und neue Leute kennen zu lernen.

Gesehen habe ich immerhin die Ansprache des ägyptischen Bloggers Maikel Nabil Sanad (s.h. Wikipedia) im Plenum. Maikel hat sehr ruhig, geradezu sachlich über seine Behandlung durch das ägyptischen Militär berichtet. Er hat von seinem Hungerstreik erzählt, von seiner Einweisung in die Psychiatrie und davon, wie er vom Militär wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte gefoltert wurde. Sanad beschäftigt sich in seinen Blog-Artikeln mit der ägyptischen Armee und ihrer Macht (und vor allem auch dem Missbrauch dieser).

Außerdem war ich bei unserem Flashmob für Waffenkontrolle dabei und habe mir am Samstag Abend das Gastspiel des Landestheaters Tübingen, “Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner” angesehen. Das Stück hat mir sehr, sehr gut gefallen. Ein bisschen zu lang war es, aber davon abgesehen wirklich prima – eine gelungene Mischung aus humorvoller Betrachtung des sogenannten Gutmenschentums und vollem Ernst.

Fotos von der diesjährigen Amnesty-JV findet ihr auf der Facebook-Seite unseres Bezirks und auf der Flickr-Seite von Amnesty Deutschland. Ein Video zur öffentlichen Aktion – wir haben einen Flashmob auf dem Ulmer Marktplatz veranstaltet und eine österreichische Akrobatentruppe engagiert – wird in ein bis zwei Wochen erscheinen. Einen kurzen Bericht der Tagesschau kann man sich schon jetzt in der Mediathek der ARD ansehen.

Soviel dazu von mir. Und jetzt gehe ich schlafen. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich darauf freue!

Geschrieben von Moritz

Hallo! Ich bin der Moritz. Meine Freunde nennen mich Moritz. Ich bin Blogger, YouTuber, selbsternannter Social-Media-Fachexpertenprofi und vielleicht sogar Poet. Und das ist mein Blog.

 

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