Ein Mann liest Zeitung.
Zeitungsleser. Foto: Pixabay (CC0)

Warum Medien nicht objektiv berichten (können)

Der freie Journalist Daniel Bröckerhoff hat auf seiner Website in der Beschreibung seiner Grundsätze einen simplen Satz stehen: „An neutralen Journalismus und völlig objektive Beobachter glaube ich nicht.“

Dieser Satz hat denke ich eine enorme Bedeutung. Denn ohne objektive Beobachter_innen gibt es auch keine objektive Berichterstattung. Das heißt im Klartext: Die Informationen, die wir täglich von den Medien bekommen, sind immer von Personen beeinflusst. Von Journalisten_innen, die eine Meldung wichtiger finden, als eine andere. Von Chefredaktionen, die an einem bestimmten Thema kein Interesse haben. Letzten Endes von Menschen, die raus in die Welt gehen, Informationen recherchieren, Aussagen aufnehmen und bündeln, und sie dabei immer auch subjektiv interpretieren.

Die Wissenschaftler Noam Chomsky und Edward Herman haben in diesem Zusammenhang vor über 20 Jahren ihr Propagandamodell vorgestellt, das kurz gesagt zeigt, dass dem Journalismus gewisse Strukturen und Bedingungen zugrunde liegen, die nicht immer von allen Journalisten_innen wahrgenommen werden, aber trotzdem da sind. Eine dieser Bedingungen ist die Finanzierung, die ich schon im letzten Beitrag über die Krautreporter angesprochen habe: „Journalismus muss in irgendeiner Form finanziert werden und eine Finanzierung schafft immer Abhängigkeit.“

Eine andere dieser Bedingungen ist die Wahl der Quellen. Viele verschiedene Journalisten_innen greifen oft auf dasselbe Quellmaterial für ihre Beiträge zurück, schöpfen ihr Wissen und ihre Information also aus demselben Topf. Sie bekommen zum Beispiel viele Informationen aus Berichten der Regierung oder anderer staatlicher Institutionen, oder von Agenturen. Das führt dazu, dass manche Themen einseitig angegangen oder schlichtweg nicht behandelt werden.

Zu guter Letzt sprechen Chomsky und Herman davon, dass die mediale Berichterstattung von einer Ideologie (namentlich dem Anti-Kommunismus) geprägt ist. Wohl gemerkt: Die Berichterstattung in den USA der 1980er. Dieser Filter lässt sich sicherlich nicht in dieser Form auf unsere heutige Medielandschaft übertragen. Man kann ihn jedoch auf sie anpassen.

Daniel Bröckerhoff hat vor kurzem „NSA-Enthüller“ Glenn Greenwald interviewt, der zur vermeintlichen Objektivität in den Medien folgendes zu sagen hatte:

„Wir sind alle ein Produkt von nationalen, sozioökonomischen, kulturellen und persönlichen Erfahrungen, die beeinflussen, wie wir die Welt sehen. Wir haben alle Leidenschaften, Blickpunkte und Meinungen, die unvermeidbar prägen, wie wir über die Dinge denken.“

Die „ideologische Voreingenommenheit“ ist also nichts anderes als die Abhängigkeit von unserer eigenen Sozialisation. Das kann dann am Ende Anti-Kommunismus sein. Oder Kommunismus. Es kann Nationalismus sein, oder Liberalismus. Es kann ein bestimmtes Wertesystem sein, oder irgendeine andere Vorstellung davon, wie die Welt auszusehen hat. Wir alle gehen mit solchen Vorstellungen durch das Leben. Auch Journalistinnen und Journalisten.

Veröffentlicht von

Moritz

Hallo, ich bin Moritz (@script0r). Ich studiere Konfliktforschung in Augsburg und blogge u.a. über Gesellschaft, Politik und Computerkram.

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