Der deutsche Astronaut Alexander Gerst auf der re:publica
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst auf der re:publica

re:publica 2015 – ein kurzer Rückblick

Es gibt in diesem Internet ein Foto von mir und einem Astronauten. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Astronaut etwas mehr im Mittelpunkt steht als ich und dass ich auf dem Bild leider a) zur Seite schaue und b) in einer begeisterten Menschenmasse untergehe. Es gibt also im Internet ein Foto von einem Astronauten und hunderten Zuschauer_innen – und irgendwo rechts im Eck sitze ich. Darüber freue ich mich fast wie ein kleines Kind.

Der Vortrag des deutschen Astronauten Alexander Gerst (@Astro_Alex) war für viele sicherlich das Highlight der diesjährigen re:publica. Ich muss zugeben, dass ich ihn im Vornherein nicht auf dem Schirm hatte, aber er war wirklich, wirklich spannend und unterhaltsam. Ich weiß jetzt beispielsweise, wo man auf der ISS guten WLAN-Empfang hat und dass man aufmerksam sein sollte, wenn man seine Unterhosen bei der NASA bestellt – sonst passen sie nicht und wer will schon Dutzende zu kleine Unterhosen. Unterhosen übrigens, die es nicht zurück auf die Erde schaffen, weil sie nach dem Tragen in einen Raumtransporter gepackt werden, um zusammen mit anderem Müll in der Atmosphäre zu verglühen.

Natürlich ging es in diesem Vortrag und auf der re:publica im Allgemeinen nicht nur um Unterhosen. Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow erklärten zum Beispiel mit viel Anschauungsmaterial, wie ISIS moderne Marketing-Strategien nutzt – von Web-Dokus bis zu Reisemagazinen mit Packliste für den Heiligen Krieg. Es gab einen super Talk mit Diskussionsrunde zum Thema „Female Leadership“ und einen spannenden Vortrag zu „uns Deutschen“ und „den Muslimen“. In Letzterem ging es unter anderem um eine Aktion von Femen, die vermeintlich unterdrückte muslimische Frauen in Deutschland befreien wollten – woraufhin eben diese Frauen eine Gegenaktion gestartet haben.

Europa hat offenbar ein Problem. Comedien und Youtube-Star Idil Baydar und die Bloggerin, Juristin und Moscheeführerin Betül Ulusoy sprechen es an. Häufig humorvoll, immer direkt. Dabei machen sie künstliche Trennungen in "wir" und "ihr" sichtbar und konfrontieren ihre Zuschauer und Leser damit.
EUROPA, WIR MÜSSEN REDEN! MIT COMEDY UND ALLTAGSGESCHICHTEN GEGEN AUSGRENZUNG auf der re:publica

Neben den zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden, die meine Freundin und ich auf der re:publica besucht haben, waren wir außerdem auf dem Gelände unterwegs und haben dort unter anderem verschiedene VR-Brillen getestet. Die waren alle okay, aber so richtig umgehauen hat mich nur ein Moment: Mit der zweiten Version der Oculus Rift stand ich inmitten einer Büffelherde und konnte für ein paar Sekunden erleben, was die Videobrillen uns in Kürze wohl ermöglichen werden: Trotz der verpixelten Grafik hatte ich kurz das Gefühl, selbst Teil des Geschehens zu sein – das war sehr beeindruckend. So beeindruckend wie die gesamte Veranstaltung. Wir hatten jedenfalls drei spannende, unterhaltsame und lehrreiche Tage und kommen gerne wieder – vielleicht schon nächstes Jahr.

Meine Freundin testet die Oculus Rift. Um sie herum: Büffel.
Meine Freundin testet die Oculus Rift. Um sie herum: Büffel.

Veröffentlicht von

Moritz

Hallo, ich bin Moritz (@script0r). Ich studiere Konfliktforschung in Augsburg und blogge u.a. über Gesellschaft, Politik und Computerkram.

Ein Gedanke zu „re:publica 2015 – ein kurzer Rückblick“

  1. Ah, da war also doch noch jemand unter den Bloggern, die ich lese, auf der re:publica. Schöner Bericht! Wenn es dich interessiert, hier mein Rückblick…

    Und wenn dich VR begeistert, kann ich ganz subtil mein Gewinnspiel zum Thema empfehlen… 😉

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