Screenshot der Perspective Daily Website

Warum ich (noch?) nicht bei Perspective Daily mitgemacht habe

Seitdem ich die „Schulz und Böhmermann“-Folge mit Nora Tschirner gesehen habe, denke ich alle paar Tage darüber nach, ob ich das Crowdfunding von „Perspective Daily“ nicht doch noch unterstützen sollte.

Perspective Daily“ soll ein Online-Medium werden, das sich dem „Konstruktiven Journalismus“ verschreibt. Das heißt: Es soll dort nicht darum gehen, Probleme zu beschreiben, sondern Lösungsmöglichkeiten vorzustellen und zu diskutieren.

Ich finde diesen Ansatz sinnvoll und wichtig. Dass ich bisher trotzdem nicht beim Crowdfunding mitgemacht habe, liegt an meinen Erfahrungen mit den Krautreportern.

Von denen war ich nach einem Jahr so enttäuscht, dass ich mein Abonnement nicht verlängert habe. Nicht nur aufgrund der Website, sondern auch, weil aus meiner Sicht nur sehr wenige der Artikel wirklich besonders waren. Die Krautreporter wollten und wollen Journalismus machen, der anderswo nicht möglich ist. Sie machen meiner Meinung nach aber zum Großteil exakt denselben Journalismus, wie herkömmliche Medien. Wer mehr über die Kritikpunkte lesen will: Da haben andere schon viel darüber geschrieben.

Beim Crowdfunding muss man dem Projekt, das man unterstützt, einen Vertrauensvorschuss geben. Im Fall der Krautreporter habe ich das getan. Und bin damit ein bisschen auf die Nase gefallen – 60€ sind für mich nicht die Welt, aber als Student ohne großes Einkommen halt auch nicht so wenig.

Bei Perspective Daily geht es jetzt um 42€. Und ich beobachte Parallelen zu den Krautreportern:

Es gibt wieder keine Beispielartikel der Perspective-Daily-Crew, anhand derer man sehen kann, wie das später aussehen soll (nur Hinweise auf externe Beiträge). Es gibt wieder ein Versprechen, dass das besser wird als vieles, was man sonst so in der Zeitung liest. Wobei „Perspecive Daily“ aus meiner Sicht weniger große Reden schwingt, als es die Krautreporter zu Beginn ihrer Kampagne getan haben. Aber trotzdem: „Ein Beitrag mit Tiefgang pro Tag“ steht auf der PD-Website. Bei den Krautreportern war das zumindest eine Zeitlang die tägliche Dosis Jung & Naiv, die man sich auch ohne die Plattform hätte holen können. Und: Es schreiben wieder vorwiegend Männer (unter den 20 AutorInnen habe ich vier Frauen gezählt). Letzteres ist für mich kein Ausschlusskriterium, aber im Hinblick auf das Jahr, das wir schreiben, schon etwas verwunderlich.

Ich glaube, die Crowdfunding-Kampagne von „Perspective Daily“ würde nicht nur mich, sondern viele andere mehr mitreißen, wenn es da jetzt schon etwas zu lesen gäbe. Wenn auf der Seite zwei, drei Artikel stünden, von denen man wüsste: So also sieht deren Arbeit aus. So recherchieren und schreiben die. Aktuell findet sich dort stattdessen wie damals im Fall der Krautreporter viel Theorie.

Gute Theorie, aber eben Theorie.

Veröffentlicht von

Moritz

Hallo, ich bin Moritz (@script0r). Ich studiere Konfliktforschung in Augsburg und blogge u.a. über Gesellschaft, Politik und Computerkram.

2 Gedanken zu „Warum ich (noch?) nicht bei Perspective Daily mitgemacht habe“

  1. Also ich kann sehr gut nachvollziehen, was du bei den Krautreportern kritisierst. Aber ich muss sagen, dass gerade die Beiträge von Rico Grimm (https://krautreporter.de/9–rico-grimm) absolut fantastisch sind. Sowas findet sich nicht so häufig. Und auch die Morgenpost gibt jeden Tag einen kleinen Überblick, den ich nicht so wirklich vermissen möchte. Vielleicht sollte man sich allerdings eher nur bestimmte Autoren suchen und nicht mehr den ganzen Projekten vertrauen. Ich bin da aber auch unsicher.

    1. Rico Grimm ist vermutlich der Krautreporter, von dem ich die meisten Texte gelesen habe. Weil sie mir wirklich gut gefallen. Deshalb schreibe ich ja „zum Großteil“.

      Den Text von Richard Gutjahr über den Umgang von Apple mit JournalistInnen und umgekehrt fand ich z.B. ebenfalls sehr gut und ich glaube auch, dass der anderswo nicht in dieser Form erschienen wäre. Aber einzelne Texte sind für mich nicht genug, um ein ganzes Projekt in dieser Größenordnung zu unterstützen.

      Zur Morgenpost kann ich ehrlicherweise nichts sagen, die habe ich nie gelesen :D.

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