Clausnitz

Was da vor zwei Tagen in Clausnitz passiert ist, macht mich sprachlos. „Der deutsche Angstmob begrüßt die, die dem Tod von der Schippe gesprungen sind“, schreibt Jan Böhmermann auf Twitter. Wenig später kommt heraus, dass der Leiter des Flüchtlingsheims vor Ort AfD-Mitglied ist. Es liegt nahe, dass die Rechten von ihm wussten, wann der Bus mit den Asylsuchenden ankommt.

Ich mache mir seit Wochen Gedanken über den Umgang der etablierten Parteien und mancher Medien mit der AfD. Da wird gestänkert, Talkshows werden boykottiert, und ich denke mir: Das ist doch grundfalsch. Das macht die AfD stark. Schiebt sie in die Ecke, in der sie sich selbst am besten präsentieren kann: Die vermeintlich Unterdrückten, die sich noch trauen, die angebliche Wahrheit zu sagen.

Reden müsste man mit ihnen. Öffentlich reden und ihre Scheinargumente in Ruhe zerlegen. Zeigen, was dahinter steckt: Der Hass gegen und die Angst vor dem Fremden.

Hass und Angst, die mittlerweile erschreckende Folgen haben. Eine Grundregel im Internet besagt, dass man keine Kommentare auf Facebook und YouTube lesen soll, weil sonst der eigene Tag gelaufen ist. Ich habe trotzdem ein paar der rechten Wortbeiträge zum Geschehen in Clausnitz gelesen:

„Mich erschüttert diese stinkende und spuckende Kopftuchratte“

„Umschmeißen den Buss (sic) mit dem Gesindel“

„An den Galgen mit den Schmarotzern und in Plastiksäcken per Charterflug zurück in die Heimat“

Klar, das ist der rechte Rand vom rechten Rand. Aber der Übergang ist fließend. Das haben verschiedene Äußerungen von AfD-PolitikerInnen in den letzten Monaten gezeigt. Vor kurzem antwortete Beatrix von Storch auf die Frage: „Wollt Ihr etwa Frauen mit Kindern an der grünen Wiese den Zutritt mit Waffengewalt verhindern?“ mit einem knappen: „Ja.“ Später ruderte sie zurück: Sie sei auf ihrer Maus ausgerutscht. Wer kennt das nicht?

Beatrix von Storch ist ein prominentes Mitglied einer Partei, die in aktuellen Umfragen bei 9-12% liegt. Etwa auf Augenhöhe mit Linken und Grünen, und weit vor der FDP. Und die von Leuten gewählt wird, die auf Facebook gegen andere Menschen hetzen. Gegen Menschen, die sie nicht kennen, über die sie aber jede Menge Vorurteile haben.

Vor zwei Tagen haben die Menschen vor dem Bus in Clausnitz „Wir sind das Volk“ gebrüllt, während im Bus Flüchtlinge saßen, die sich nicht trauten, auszusteigen. Einige weinten. Weinten aus Angst vor dem Hass, der da auf sie niederprasselte.

Ich hoffe für diese Menschen, dass es auch in Clausnitz freiwillige HelferInnen gibt, die ihnen in den kommenden Wochen und Monaten bei ihren Problemen zur Seite stehen. Die ihnen zeigen, dass die Menschen in diesem Land mehr können als hassen und fürchten.

Und ich hoffe, dass wir alle uns in einer Zeit wie dieser darüber klar werden, wie wichtig es ist, dass wir uns gegenseitig als Menschen behandeln. Mit Respekt und Achtung:

„Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen. […] Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert. […] Nur, wer nicht geliebt wird, hasst. Nur, wer nicht geliebt wird.“ Charlie Chaplin, Rede des großen Diktators

Veröffentlicht von

Moritz

Hallo, ich bin Moritz (@script0r). Ich studiere Konfliktforschung in Augsburg und blogge u.a. über Gesellschaft, Politik und Computerkram.

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